ProduzentInnen am Wort
Unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern haben etwas zu sagen!
Gregorio Mendez Moreno
... hat uns im September 2017 besucht und berichtet aus erster Hand über die Kaffeekooperative Tiemelonla. Er erzählt uns über die Anfänge seiner Organisation, den Fairen Handel aus der Sicht der ProduzentInnen und den Bio-Landbau in Zeiten des Klimawandels in Mexiko.
Er ist Gründungsmitglied der Kooperative Tiemelonlá Nich K Lum aus Mexiko, überzeugter Bio-Bauer der ersten Stunde und heute im Vorstand seiner Kooperative. Tiemelonlá ist einer unserer wichtigsten Handelspartner für Bio-Kaffee aus Mexiko (Kaffee Orgánico & Kaffee Mundo). Die EZA Fairer Handel ist umgekehrt die wichtigste Käuferin für Tiemelonlá. Mehr als zwei Drittel ihres gesamten Kaffees verkauft die Organisation an uns.
Welche Schwierigkeiten hat es vor dem Fairen Handel gegeben?
Das größte Problem waren die "Coyotes" (Anmerkung: Zwischenhändler), die uns betrogen und sehr schlecht bezahlt haben. Es war wichtig, uns zu organisieren, um uns aus ihrer Abhängigkeit zu befreien.
Welche Erwartungen hat es an den Fairen Handel gegeben?
Die Erwartungen waren, dass die ProduzentInnen ein würdevolles Leben leben können. Dazu gehören grundlegende Dinge wie z.B. die Versorgung mit Lebensmittel oder die Erziehung unserer Kinder.
Was hat der Faire Handel gebracht und was hat er verändert?
Der Faire Handel ist sehr wichtig für uns. Dadurch haben wir direkte Beziehungen mit unseren Käufern und garantierte Preise für unser Produkt. Das wiederum gibt uns Sicherheit.
Wie viel vom EZA-Kaffeepreis kommt bei den Bauern bzw. Bäuerinnen an?
Rund 85 Prozent des Rohkaffeepreises wird direkt an uns ProduzentInnen ausbezahlt. 15 Prozent müssen für die Verarbeitung, Administration und Vermarktung aufgewendet werden. Außerdem wird die Fairtrade-Prämie auf ein eigenes Konto überwiesen. Über die Verwendung dieser Gelder entscheiden wir gemeinsam.
Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Kaffeegärten der Bäuerinnen und Bauern aus?
2012/13 haben wir begonnen, die Auswirkungen des Klimawandels zu sehen. Nicht nur die Erntezeit des Kaffees, sondern auch die von Mais oder Bohnen verschob sich drastisch. Unsere landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden vorzeitig reif, aber sie bleiben kleiner oder bilden sich nicht richtig aus. Außerdem gibt es mehr und heftigere Unwetter, die auch teils zu Ernteeinbußen geführt haben. Die Zeiten sind verrückt. Es regnet in der Trockenzeit und umgekehrt. Das hat wiederum Auswirkungen auf den Kaffee. Früher begannen wir mit der Ernte im Dezember, heutzutage bereits im Oktober. Seit diesen Veränderungen ist unser Kaffee sehr anfällig für die „Roya“ (Anmerkung: Roya = Kaffeerost ist eine Pilzkrankheit, die meist starken Laubabwurf und Ernteausfall zur Folge hat).
Wie reagiert Tiemelonla auf diese Entwicklungen?
Vor vier Jahren hat die Pilzkrankheit einen großen Teil unseres Kaffees zerstört. Dabei haben wir beobachtet, dass die Sorte "Garnica" vor allem in höheren Lagen der Roya trotzte. Wir begannen, die Samen dieser Sorte zu sammeln und daraus Setzlinge zu ziehen und starteten ein Projekt mit dem Namen "Herausforderungen angesichts des Klimawandels". Mit der Unterstützung von Fairtrade, CLAC und der Universität aus Veracruz begannen wir, Saatbeete und Baumschulen mit weiteren resistenten Sorten wie z.B. Geisha anzulegen. Außerdem begannen wir so genannten „Feldschulen“ (= Demonstrationsparzellen) einzurichten, mit Hilfe derer wir Fortbildungen zum Thema Klimawandel anbieten. Für die Zukunft haben wir ein Kaffeeerneuerungsprojekt mit einer weiteren resistenten Sorte geplant.
Hat die nächste Generation Interesse am Kaffeeanbau?
Als Vater muss ich meinem Sohn den biologischen Kaffeeanbau näher bringen. Ich muss ihm die Vorteile vermitteln, die wir als Mitglied unserer Kooperative haben. Nur so können wir unsere Kinder, aber auch andere Kaffeebäuerinnen und -bauern von unserem Projekt überzeugen.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Wir wollen die ausgezeichnete Qualität unseres Kaffees beibehalten und weiterhin biologisch angebauten Kaffee verkaufen. In Zukunft möchten wir unser Angebot um einen Gourmet-Kaffee erweitern.



