Partnerbeschreibung
Serendipalm
Bio-Palmöl aus Ghana
Ghana war die erste Kolonie Westafrikas. Seine Unabhängigkeit von England erreichte das Land 1957. Ghana ist nicht nur ein wichtiger Kakaoproduzent, sondern liefert auch andere tropische Produkte wie Palmöl.
Palmöl ist mit über 73 Mio. Tonnen jährlich das meistproduzierte Pflanzenöl. Die Nachfrage steigt stark. Palmöl ist günstig, weil die Ölpalmen sehr ertragreich sind und das ganze Jahr über Früchte tragen. Wegen seiner chemischen Eigenschaften ist das Öl vielseitig einsetzbar (in Lebensmitteln, der Industrie und als Energieträger). Jedoch steht Palmöl mehr denn je in der Kritik: für die Vernichtung von Regenwäldern wie für die Missachtung von Menschenrechten durch die verstärkte, oft aggressive Landnahme zur Ausweitung der Anbauflächen für die Palmölproduktion. Wegen der globalen Kritik an den Praktiken im Palmölanbau haben sich in den letzten Jahren verschiedene Zertifizierungssysteme entwickelt, um den Anbau von Ölpalmen nachhaltiger zu gestalten. Bereits 20% der weltweiten Palmölproduktion ist RSPO-zertifiziert ("Round Table on Sustainable Palmoil"). Doch wird diese Zertifizierung von NGOs (u.a. Greenpeace) stark kritisiert, da die vorgegebenen Nachhaltigkeitsziele, sowie die Umsetzung sozialer Ziele nicht eingehalten werden. Dem Siegel wird "Green Washing" vorgeworfen. Die Kenntnis dieser ernüchternden Zusammenhänge und das steigende Bewusstsein der Konsument:innen verlangten nach einer nachhaltigen Alternative für Palmöl - allen voran für fair gehandelte Produkte: 2012 konnte auf Initiative der deutschen GEPA eine Quelle für sozial und ökologisch nachhaltiges Palmöl aus fairem Handel gefunden werden: Das Danieama Sustainable Palm Oil Project wurde von Dr. Bronner, einem erfolgreichen Unternehmen und bekannten Marke für Naturseifen und natürliche Körperpflegeprodukte aus den USA, in Ghana initiiert. Seit 2007 sind das Projekt und seine maßgeblichen Akteure in Ghana Fair For Life zertifiziert. Das Projekt liefert somit organisch-biologisches Palmöl unter den Bedingungen des Fairen Handels. Angebaut werden die Ölpalmen von organisierten Kleinproduzent:innen. Die Verarbeitung zu Öl erfolgt in einer Presse vor Ort. Die Vermarktung übernimmt Serendipalm.
EZA-Partner seit 2012
"Das Serendipalm Fair-Trade-Programm zielt darauf ab, Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und gesundheitlichen Bedingungen in den Gemeinschaften entlang seiner Lieferkette zu fördern. Serendipalm strebt danach, die Rechte aller Beteiligten und Begünstigten zu respektieren. Folgende Gruppen haben Zugang zum Serendipalm Fair Trade Premium Fund:
1. Gemeinschaften in und um das Einzugsgebiet von Serendipalm
2. Arbeiter:innen der Serendipalm-Produktion (Ernte und Verarbeitung)
3. Produzent:innen des Netzwerks von Serendipalm
4. Alle anderen vom FT-Ausschuss genehmigten Begünstigten, wenn benachteiligte Gruppen ermittelt wurden."
Quelle: Fair Trade Policy Serendipalm, 2018
Danieama Sustainable Palm Oil Project / Serendipalm
Zielsetzung des Projekts war und ist die Entwicklung einer bio & fairen Lieferkette für Palmöl und die Förderung der Primärproduzent:innen und ihrer Gemeinschaften. 2009 erfolgte die Gründung von Serendipalm durch Dr. Bronner mit dem Ziel der internationalen Vermarktung. Heute involviert das Palmölprojekt über 1300 Personen. Hervorzuheben ist, dass Anbau und Verarbeitung der Palmfrüchte nach den Standards von Fair for Life erfolgen. Fair for Life schreibt die Einrichtung eines Fair-Trade-Komitees vor. Dieses setzt sich aus Vertreter:innen der Produzent:innen, Land- und Fabrikarbeiter:innen, landwirtschaftlichen Berater:innen und dem Management von Serendipalm zusammen. Es entscheidet über die Verwendung der Prämie. Diese wurde in den letzten Jahren u.a. für bauliche Verbesserungen der Dorfschulen, Wasserprojekte, einen Brückenbau, Straßenreparaturen und Stipendien eingesetzt. Es wurden 7 kommunale Zentren gebaut und ausgestattet, neue Orte für Versammlungen und Fortbildungen in den Dorfgemeinschaften. Neu ist die Planung einer Kreditgenossenschaft. Trotz der engen Kooperation mit Serendipalm sind die Produzent:innen nicht verpflichtet, ihre Ernte ausschließlich an Serendipalm zu verkaufen. Sie bevorzugen allerdings Serendipalm aufgrund der gebotenen Preise, Prämien, Unterstützung und langfristigen Kooperation. Die Entscheidung für die Zusammenarbeit mit dem Palmölprojekt und die Umstellung auf Bio-Landbau trafen die Produzent:innen. Verarbeitet werden die Früchte der Ölpalme zentral in Asuom. Serendipalm verkauft 95% seiner Produktion unter den Bedingungen des Fairen Handels. 5% werden lokal vermarktet.
Die ProduzentInnen
Serendipalm beschäftigt über 100 Personen fix, die meisten in der Verarbeitung der Palmfrüchte. Ca. 300 weitere Personen (darunter 150 Frauen) finden saisonal für 8 bis 10 Monate eine Beschäftigung in der Aufbereitung der Palmfrüchte. Für viele Frauen in der Region eine der wenigen Möglichkeiten einer formalen Arbeit nachzugehen.
Die Palmfrüchte stammen von rund 910 Kleinproduzent:innen - darunter 200 Frauen, die durchschnittlich 5 ha Land bewirtschaften. Zu Beginn des Projekts waren die Produzent:innen unorganisiert. Heute gehören sie vier lokalen Gruppen ("Organic Farmers Associations") in Asuom, Abaam, Abodom und Bomso im südlichen Ghana an. Die Familien werden bei der Landarbeit von saisonalen Helfer:innen unterstützt. Serendipalm bezieht die Palmölfrüchte ausschließlich von den Mitgliedern dieser vier Kleinbauernverbände. Jede Gruppe wählt aus ihrem Kreis zwei Vertreter:innen, die die Interessen der Produzent:innen im Fair-Trade-Komitee vertreten. Sie sind in die Preisverhandlungen eingebunden. Seit 2013 werden Flächen nach dem Konzept der „dynamischen Agroforstwirtschaft“ angebaut. Hierbei werden Mono- auf Mischkulturen umgestellt. Auf den Parzellen gedeihen so neben Ölpalmen und Kakao (als Cashcrops) Zitrusfrüchte, Ingwer, Gelbwurz, Mais, Maniok und Bananen. Aus dem Mischanbau resultieren folgende Vorteile: eine verbesserte Bodenfruchtbarkeit, höhere Erträge, Diversifizierung des Einkommens und geringeres Risiko für Ernteausfälle. Weiters kann durch diese Anbauweise mehr CO2 gebunden werden. Für den Anbau der Ölpalmen wurde kein Primärwald gerodet. Eine Ausweitung des Palmölanbaus wird ausschließlich auf bereits bewirtschaftetem Farmland vorgenommen.
Das Palmöl von Serendipalm wird für die Herstellung der Fairetta Creamy-Riegel, Equita Schokoaufstrich und div. EZA-Kekssorten verwendet. Diese sind u.a. über EZA und WELTLÄDEN erhältlich.
Weitere Informationen:
www.serendipalm.de
Quellen: Dr. Bronner’s, GEPA - The Fair Trade Company, Annual FT Report 2020, FFL Audit Report 2021, EIF 01/2022; (EZA, akt. Sept.´22)
Vorteile aus dem Fairen Handel
Durch die Vermarktung ihrer Palmfrüchte unter den Bedingungen des Fairen Handels profitieren Produzent:innen und Angestellte gleichermaßen. Für die Produzent:innen gilt:
- Zugang zu neuen Märkten unter bio & fair
- Einbeziehung in die Preisverhandlungen und Preisfestsetzung
- verlässliche Abnahme der Palmölfrüchte
- prompte Zahlung bei Übernahme der Produktion auf Basis kostendeckender Preise (inkl. einer Marge von 10% für den/die Produzent:in)
- Zahlung einer Bio-Prämie von 10% (auf den Farmgate-Preis)
- Zahlung einer Fair-Trade-Prämie von 10% (auf den FOB-Preis) zur Finanzierung sozialer Projekte
- Mitbestimmung bei der Prämienverwendung
- Schulungen in den Bereichen Qualitätssicherung, Diversifizierung, Bio-Landbau, etc.
- Zugang zu zinslosen Krediten
- gesteigerte Ernteerträge durch Methoden des Bio-Landbaus;
Für die Angestellten gilt:
- faire Löhne, die jährlich angepasst werden, und 25 - 30% über den lokal üblichen Löhnen liegen
- gute und sichere Arbeitsbedingungen
- regelmäßige Schulungen
- Zahlung von Boni (50% des Monatslohns zu Ostern und 100% zu Weihnachten)
- Zugang zu Prämien- und Sozialprojekten (z. B. Mutter-Kind-Klinik, derzeit im Aufbau: eine Kindergrippe für 100 Kinder)
- Zugang zu allen gesetzlichen Leistungen (Kranken- und Sozialversicherung, Urlaub und bezahlter Krankenstand) - inkl. für Saisonarbeitskräfte



